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Schach beginnen

Ich habe mit fast 60 begonnen Schach zu lernen. Ich habe früher mit meinem Vater gespielt, später in der Jugend mit Freunden. Ich hatte mich aber nie „theoretisch“ mit Schach beschäftigt. Hier möchte ich dokumentieren, wie ich an das Thema herangegangen bin. Das Schöne am Schach ist: Es gibt sehr viele Ressourcen im Netz. Vielleicht auch viel zu viele. Außerdem gibt es hunderte Tips, die sich teilweise ähnlich oder gleich sind. Ob mein Ansatz erfolgsversprechender ist als andere weiß ich nicht. Von daher ist es halt eine Idee, die Ihr annehmen könnt, oder nicht. Ich habe mit dem chess.com ELO 800 angefangen und bin zurzeit (nach 6 Monaten intensiven Training) bei 1446 im Schnellschach (bis 30 Minuten).

Eröffnungen

Den ersten Tip, den ich bekommen habe: Lerne keine Eröffnungen auswendig. Lerne zunächst Eröffnungsgrundsätze und beschäftige die dann vor allem mit Ideen der Eröffnungen und nicht mit konkreten Zugfolgen. Tatsächlich habe ich gemerkt, dass ich kein Talent dafür habe dutzende Varianten zu lernen. Deshalb habe ich versucht Eröffnungssysteme zu finden, die ich mir gut einprägen kann. Der Vorteil von Systemen ist: Ich lerne im Wesentlichen einen Grundaufbau und gucke, dass ich den Aufbau hin bekomme. Dann merke ich mir was – und vor allem warum – ich machen kann, wenn mein Gegner den Grundaufbau stört. Ich habe mich gegen viele Tipps mit konkreten Eröffnungen beschäftigt. Ich wollte nicht schon nach dem 10. Zug Material eingestellt haben. Aber wie gesagt: Das ist hier mein Weg, er war für mich gut.

Hier einige YouTube Videos, die mir geholfen haben die Eröffnungsphase zu überstehen:

Begonnen habe ich mit dem Londoner System. Das Londoner System ist sehr einfach zu lernen. Es habe immer (fast immer) den gleichen Grundaufbau. Nachdem ich dutzende Spiele mit dem Grundaufbau gemacht hatte, lernte ich dann doch Varianten, aber eben nur die Grundidee von Varianten z.B. gegen:

  • Normales Spiel mit d5 mit oder ohne c5
  • Damenindische Verteidigung
  • Königsindische Verteidigung
  • Grünfeldindische Verteidigung
  • Benoni Verteidigung

Damit hatte ich die grundsätzlich Dinge für meine weiße Eröffnung abgearbeitet. Als Alternativen hatte ich mir vorher angeguckt:

  • Italienische Partie vor allem mit dem Evans Gambit
  • Verschiedene Antworten auf Sizilianisch (vor allem Antworten mit c4 direkt als zweiten Zug).
  • Die spanische Partie

Mein Problem war, es gibt einfach zu viele Gegenspiele gegen e4: Caro-Kann, Französisch, Pirc, Sizilianisch, e5-Spiele Für mich war das einfach eine Überforderung. Mit d4 und dem Londoner System, wollte ich zunächst erstmal auf DWZ 1400 kommen.

Bleibt das Problem Schwarz: Hier habe ich mich in die Königsindische Verteidigung verliebt. Auch hier gibt es ein System, eine Grundstellung, die man erreichen muss. Im Prinzip kann man das gegen alles spielen, nur nicht so gut gegen e4. Hier hatte ich zunächst die Grundzüge der französischen Verteidigung, dann Caro-Kann. Am Ende habe ich mich dann doch für die sizilianische Verteidigung entschieden, weil das meiner Idee von Schach am nächsten kommt..

London

Der Grundaufbau des Londoner Systems ist immer gleich:

Die Dame kann, ja nachdem was für einen Plan man hat, auf c2, b3 oder e2. Der Vorteil des Grundaufbaus ist: Alle Figuren sind schnell entwickelt (man muss nur auf den zunächst ungedeckten Läufer auf d3 achten). Keine Figur hindert eine andere an der Entfaltung. Ab hier gibt es verschiedene Ideen so Bauernvorstöße mit e4, c4 oder mit dem f-Bauern. Je nach Verteidigung kann man den Aufbau etwas variieren. Wenn es der Gegner erlaubt kann man z.B. mit e4 gleich das Vollzentrum entwickeln. Gegen Königsindisch ist es oft besser die Dame auf d2 zu positionieren, in diesem Fall entwickelt sich der Springer nach c3 etc.

Mir ging es wie viele London Spieler: Ich wurde belächelt. „Das ist doch kein Schach“, „das ist total langweilig“ … waren Sprüche die ich mir anhören musste. Wenn man in lichess 1. d4, d5 2. Lf4 eingibt bekommt man in der Bibliothek eine Menge Spiele. Die ersten drei Treffer sind von Magnus Carlson. Wenn Magnus Carlson London spielt, kann das nicht langweilig sein ;-),

Wer sich für Ideen bei verschiedenen Gegenspielen interessiert, hat hier gute Möglichkeiten. Wie gesagt: Ich selbst schaffe es nicht die verschiedenen Varianten „zu pauken“, finde aber die Ideen, die vermittelt werden, sehr hilfreich. Die „Short & Sweet“ Reihe von Chessable ist kostenfrei.

Königsindische Verteidigung

In dem Video über ein Eröffnungsrepatoir für Anfänger/Fortgeschrittene empfiehlt Rafael Kloth gegen alles außer e4 (!) die Königsindische Verteidigung zu spielen. Ich habe mich dem angenommen.

Ich spiele eine Variante mit frühem Sd7 um e5 zu unterstützen. Auch hier gibt es viele Varianten und viel Theorie. Die Grundstellung sieht dann in etwa so aus:

Auch hier gibt es bei Chessable verschiedene kostenlose Kurse: Mir hat es dieser angetan

Sizilianisch

Bleibt also noch eine Antwort auf e4. Hier habe ich einige Dinge versucht:

  • e5: In meiner Spielstärke wird es dann meistens italienisch oder spanisch. Am Ende entscheidet weiß wie es weiter geht.
  • e6: Französisch hat mir nicht gefallen. Grundsätzlich gefallen mir eher strategische Spiele, aber der weiße Läufer auf c8, der nicht am Spiel teilnehmen darf störte mich eher.
  • c4; Caro-Kann fand ich interessant und werde es mir sicherlich in Zukunft noch weiter angucken.

Alle Systeme haben den Nachteil, dass es unendliche Weiterspiele gibt und viele auch in meiner Spielstärke schon weiter in der Theorie sind. Bei Sizilianisch habe ich mir ein paar Varianten auf Chessable angesehen, aber hier tatsächlich nur die Hauptideen, um vorbereitet zu sein. Spannend ist das der Kurs auch Varianten diskutiert, die oft im Internet gespielt werden.  https://www.chessable.com/course/1517. Meinen Hauptaugenmerk habe ich deshalb auf Najdorf und „Online chess most common openings“ gelegt. Alles andere kann warten. Es sind dann insgesamt 19 verschiedene Varianten, für alles andere muss dann wieder die normale Eröffnungslehre herhalten Das Schöne ist aber, dass es gerade bei diesen Kurs immer nur um die ersten 6-10 Züge geht und nicht weiter auf Theorie eingegangen wird. Gut für mich.

Taktik

Das zweite Feld ist die Taktik. Auch hier gibt es dutzende Seiten, wo man taktische Motive lernen kann. Ein System, was mir sehr persönlich geholfen hat ist das Kompendium von GM Huschenbeth. Diese grundsätzlichen Motive und taktischen Dinge kann man sich auch wo anders holen. Ich fand das sehr vollständig und hat mir geholfen. Für das Taktiktraining gibt es dutzende Seiten.

Wie auch immer: Selbstverständlich ärgere ich mich bei jeder Analyse, dass ich die Gabel nicht gesehen habe, oder das schnellere Matt … Am Ende habe ich Spaß am Spielen und es ist mir egal ob ich gewinne oder verliere.

Weiteres

Was gibt es noch:

  • Spielen, spielen, spielen. Ich spiele jeden Tag mindest ein Spiel und mindestens 15|10, besser noch ein Spiel mit mehr Bedenkzeit. Die Zeit für Blitz etc. kommt dann, wenn ich viele Spiele gemacht habe und mehr automatisiert spielen kann.
  • Ich bin in einen Schachverein eingetreten und spiele viel auf dem richtigen Brett. Die 3D Ansicht hilft mir besser zu spielen. Auch habe ich zwei Freunde gefunden, die früher im Verein gespielt haben, mit denen ich regelmäßig spiele.
  • Analysieren!  Ich analysiere jedes Spiel was ich spiele (na ja, fast jedes, also 90%). Sei es die Online Spiele oder auch die aus dem Verein. Im Verein gibt es dann noch die Möglichkeit nach dem Spiel eine Analyse mit einem starken Spieler zu machen. Dabei geht es mir nicht darum wie die „Engine“ gespielt hätte (ich bin ein Mensch, keine Engine) sondern wo ich wichtige Motive nicht gesehen habe.
  • Auch für das Mittel- und Endspiel gibt es bei Chessable unendlich viele Ressourcen z.B. Basic Endgames. YouTube ist voll von Videos und es gibt ja auch immer noch die guten alten Bücher. Mein derzeitiger Lieblingskanal bei YouTube ist „The big Greek“.